
„Damit Kinder besser essen“ ist ein Förderprojekt für Münster, das neue Ideen für eine bessere Ernährung von Kindern möglich macht. Gemeinsam fördern Matthias Franz Essmann und die Stiftung Bürgerwaisenhaus Projekte, die dort ansetzen, wo Essgewohnheiten entstehen: mitten im Alltag von Kindern.
Denn was Kinder früh kennenlernen, probieren und gerne essen, kann sie ein Leben lang begleiten. Gerade in den ersten Lebensjahren entwickeln sich Vorlieben und Gewohnheiten, die später nur schwer zu verändern sind. Gleichzeitig essen viele Kinder zu wenig Obst und Gemüse und zu häufig stark verarbeitete Lebensmittel. Dabei beeinflusst Ernährung nicht nur die körperliche Entwicklung, sondern auch Konzentration und Lernfähigkeit.
Mit „Damit Kinder besser essen“ sollten deshalb Ideen eine Chance bekommen, die Kinder zwischen zwei und zehn Jahren erreichen und nachhaltig etwas verändern. Gesucht waren keine einmaligen Aktionen, sondern Projekte, die Kinder beteiligen, neue Wege ausprobieren und unterschiedliche Akteure zusammenbringen. Gute Ansätze sollen langfristig wirken und möglichst auch an anderer Stelle weitergedacht werden können.
Der Wettbewerb "Damit Kinder besser essen"
Ernährungsprojekte konnten sich bewerben
Für den Wettbewerb stellte Matthias Franz Essmann 50.000 Euro bereit. Essmann ist Bäcker- und Konditormeister und führt Essmann’s Backstube seit 1991 in fünfter Generation. Das Familienunternehmen mit Sitz in Altenberge beschäftigt rund 1.000 Mitarbeitende und betreibt 68 Filialen im Münsterland. Die Stiftung Bürgerwaisenhaus wird von der Stadt Münster verwaltet und engagiert sich für Kinder und Jugendliche.
15 Bewerbungen gingen für die Förderung ein. Bewerben konnten sich gemeinnützige Organisationen sowie Initiativen und Projektgruppen gemeinsam mit einem gemeinnützigen Träger. Ende Februar 2026 ging es in die entscheidende Runde: Die Bewerber stellten ihre Ideen persönlich vor und beantworteten die Fragen der Jury. Gemeinsam mit Matthias Franz Essmann sichtete die Stiftungsverwaltung die Konzepte und traf anschließend die Auswahl.
Inzwischen sind die Projekte ausgewählt – und aus den Ideen wird Praxis.
Hier stellen wir die geförderten Projekte und die Menschen dahinter vor.

Foto: v.l. Karen Paterson, Pädagogische Leitung des MuM, Dagmar Künnemeyer, Gastgeberein im Offenen Treff des MuM, Matthias Franz Essmann und Daniel Großbröhmer (Kommunale Stiftungen Münster)
Wie können wir Kindern früh einen guten und selbstverständlichen Umgang mit Ernährung mitgeben? Mit seinem Ansatz hat MuM e. V. die Jury von „Damit Kinder besser essen“ überzeugt und gehört zu den ausgewählten Projekten der Förderinitiative.
Der Münsteraner Verein erhält 15.000 Euro, um seine Aktivitäten im Rahmen von „Damit Kinder besser essen“ weiterzuentwickeln. Die Förderung soll dazu beitragen, neue Impulse für Kinder und ihre Familien zu setzen und die Arbeit des Vereins nachhaltig weiterzuführen.
Überzeugt hat dabei der Gedanke, nicht nur kurzfristig etwas anzustoßen, sondern eine Wirkung zu schaffen, die bleibt. Während der Projektlaufzeit steht MuM e. V. deshalb im regelmäßigen Austausch mit der Stiftung und berichtet darüber, wie sich das Projekt entwickelt und was die Förderung bewirkt.
MuM e. V. – die Projekt-Idee:
Gesund essen muss im Alltag funktionieren
Was kommt in die Brotdose? Was lässt sich abends schnell kochen, wenn wenig Zeit ist? Und was hilft, wenn Kinder am liebsten etwas Süßes möchten? Genau bei solchen ganz alltäglichen Fragen setzt das Projekt des MuM Mehrgenerationenhauses und Mütterzentrums e. V. in Münster-Gievenbeck an.
Die Idee: Gesunde Ernährung soll nicht kompliziert sein und auch nicht mit erhobenem Zeigefinger vermittelt werden. Gemeinsam mit Kindern und Eltern entwickelt MuM Lösungen, die zu ihrem Leben passen – einfach, bezahlbar und praktisch. Das Projekt richtet sich vor allem an Familien mit Kindern zwischen zwei und zehn Jahren und nimmt dabei auch Familien in den Blick, bei denen Zeit oder Geld knapp sind oder denen Ideen für eine ausgewogene Ernährung im Alltag fehlen.
Acht Themenmonate machen Ernährung ganz konkret. Mal geht es um eine schnelle und ausgewogene Brotdose, mal um günstiges saisonales Gemüse, ein Familienessen, das in 15 Minuten auf dem Tisch steht, oder um Alternativen zu sehr süßen Snacks. Bei Thementischen, Probier- und Mitmachaktionen und kleinen 30-Tage-Challenges können Familien ausprobieren, Erfahrungen austauschen und eigene Ideen einbringen. Auch eine offene Sprechstunde rund um Kinderernährung ist geplant.
Ein wichtiger Treffpunkt dafür ist das MuM in Gievenbeck. Seit 1997 betreibt der Verein dort seinen offenen Stadtteiltreff – eine Art „öffentliches Wohnzimmer“, das jedes Jahr rund 11.000 Besuche zählt. Die Menschen kennen den Ort, kommen miteinander ins Gespräch und gestalten Angebote selbst mit. Das sind gute Voraussetzungen, um auch über Ernährung ganz selbstverständlich ins Gespräch zu kommen.
Und gesundes Essen soll dort direkt erlebbar werden: Im Offenen Treff gibt es während des Projekts kostenlos Obst und Gemüse aus einer saisonalen Kiste eines regionalen Biobauern. Was Familien bei den Aktionen gemeinsam entwickeln – Rezepte, Alltagstipps, Challenges und andere Ideen – wird anschließend aufbereitet, damit es auch nach Projektende weiter genutzt werden kann.
So soll Schritt für Schritt etwas entstehen, das bleibt: Kinder werden neugierig auf gutes Essen, Eltern bekommen Ideen, die sich wirklich umsetzen lassen, und kleine Veränderungen finden ihren Weg in den Familienalltag.

Gespräche mit Multiplikatorinnen im Projekt
1. Themenmonat Juni – es wurde fruchtig: Die Erdbeere war das Obst des Monats. Gemeinsam entstanden Erdbeertaschen und Gurkenlollis, und ein Erdbeer-Kostüm sorgte für besondere Erinnerungsfotos.
Auch geschmacklich gab es einiges zu entdecken. Die Kinder erzählten von ihrem Lieblingsobst und konnten in den folgenden Wochen verschiedene Sorten als Snack probieren. Aus überreifen Bananen wurde gemeinsam Bananenbrot gebacken – für einige Kinder eine ganz neue Erfahrung.
Und dann ging es um eine Mahlzeit, die jedes Kind anders kennt: „Wie frühstückt ihr?“ Bei Tischgesprächen erzählten die Kinder von ihrem Frühstück zu Hause. Ihre Antworten wurden gesammelt und am Projektboard für alle sichtbar gemacht.
Auch das Projektteam lernt mit: Ende Juni nahm es an einem Workshop mit einer Ökotrophologin teil und bekam dort fachliche Informationen und praktische Anregungen zur gesunden Ernährung von Kleinkindern.

2. Themenmonat Juli: Passend zum Sommer stand im Juli die Wassermelone im Mittelpunkt. Die Kinder bastelten Wassermelonen-Fächer und eine Girlande, sammelten spannende Fakten über die Frucht und konnten natürlich auch probieren: Aus pürierter Wassermelone entstand Eis, außerdem gab es gefrorene Melonenspieße. Beides kam bei den Kindern gut an – als fruchtige Alternative zum sonst angebotenen Wassereis.
Besonders spannend wurde es beim Monatsthema „versteckter Zucker“. Bei einem Ratespiel sollten die Kinder zunächst einschätzen, in welchen Lebensmitteln besonders viel Zucker steckt. Die Auflösung sorgte für einige Überraschungen. Anschließend machte das Team die Zuckermengen mit Würfelzucker sichtbar – so wurde aus einer abstrakten Zahl etwas, das die Kinder unmittelbar verstehen konnten.
Das Thema wurde auch mit Multiplikatorinnen aus dem Projekt „Muttersprachliche Unterstützung“ aufgegriffen. Gemeinsam sprachen die Frauen über die Herausforderungen bei der Ernährung ihrer Kinder und darüber, wie ein realistischer Umgang mit zuckerhaltigen Lebensmitteln im Familienalltag aussehen kann.
So wächst das Projekt Monat für Monat weiter – mit neuen Themen, neuen Geschmackserlebnissen und vielen Gelegenheiten für Kinder und Familien, Ernährung gemeinsam zu entdecken.

Gutes Essen für Kinder beginnt nicht erst auf dem Teller. Es braucht Menschen, die ihr Wissen, ihre Erfahrungen und ihre Ideen zusammenbringen. Genau hier setzt der Ernährungsrat Münster e. V. an. Mit seinem Konzept konnte der Verein die Jury von „Damit Kinder besser essen“ überzeugen und gehört zu den beiden ausgewählten Projekten der Förderinitiative.
Der Ernährungsrat Münster e. V. wird mit 35.000 Euro unterstützt. Mit der Förderung kann der Verein seine Arbeit im Rahmen von „Damit Kinder besser essen“ weiterentwickeln und neue Impulse für eine gute Ernährung von Kindern in Münster setzen.
Dabei soll nicht nur kurzfristig etwas entstehen: Das Projekt ist langfristig angelegt und wird über seine Laufzeit eng begleitet. In regelmäßigen Abständen berichtet der Ernährungsrat über die Entwicklung des Projekts und darüber, was mit der Förderung erreicht werden konnte.
Das Projekt des Ernährungsrates besuchen Herr Essmann und die Kommunalen Stiftungen am 27.8.26. Wir freuen uns drauf!
Ernährungsrat Münster e.V. – die Projekt-Idee
Wenn die Küche mit dem Fahrrad zu den Kindern kommt
Limonade selber machen, einen vegetarischen Döner zubereiten und gemeinsam entdecken, dass gesundes Essen weder teuer noch kompliziert sein muss: Mit seiner mobilen Fahrradküche „Spachtel-Leeze“ bringt der Ernährungsrat Münster e. V. das gemeinsame Kochen direkt zu Kindern und Familien in Münster. Im Mittelpunkt stehen Quartiere, in denen Familien häufiger mit sozialen und finanziellen Herausforderungen leben.
Die Idee dahinter ist so einfach wie wichtig: Nicht darauf warten, dass die Familien zu einem Ernährungsangebot kommen – sondern mit dem Angebot zu ihnen fahren. Die mobile Küche macht auf Plätzen und an anderen gut besuchten Orten Station. Kinder können schnippeln, zubereiten und probieren, Eltern kommen miteinander ins Gespräch und erhalten bei Bedarf Beratung rund um die Kinderernährung. Die Angebote sind kostenfrei und sollen zeigen, wie einfache, günstige und überwiegend pflanzliche Gerichte im Alltag gelingen können.
Los geht es in den Sommerferien 2026. In einem ausgewählten Schwerpunktquartier – vorgesehen sind Coerde oder Berg Fidel – ist zunächst ein einwöchiges Ferienangebot geplant, ergänzt durch einen Aktionstag in einem weiteren Quartier. Neben dem gemeinsamen Kochen gibt es frisch zubereitetes Mittagessen, Spiele und Mitmachaktionen, Rezepte zum Mitnehmen und vor allem viel Raum für Begegnung.
Dabei bringt der Ernährungsrat kein fertiges Konzept mit, das überall gleich funktionieren soll. Das Projekt soll mit den Menschen im Quartier entstehen, nicht nur für sie. Deshalb wird zunächst genau hingehört: Was brauchen Familien vor Ort? Welche Angebote wünschen sie sich? Und welche Schulen, Kitas, Vereine, Einrichtungen oder Initiativen können dabei mitmachen? Auch die FH Münster begleitet die Bedarfs- und Standortanalyse. Auf dieser Grundlage sollen weitere Koch- und Ernährungsangebote entstehen, die wirklich zum jeweiligen Stadtteil passen.
Nach dem Sommer geht es weiter: Für die Herbstferien ist ein mehrtägiges Programm vorgesehen, anschließend sollen weitere Kochangebote etwa in einer Grundschule oder im OGS-Bereich folgen. Gleichzeitig werden Menschen aus den Quartieren geschult und dabei unterstützt, später selbst Ernährungs- und Kochangebote auf die Beine zu stellen. So soll die Idee auch dann weiterleben, wenn die „Spachtel-Leeze“ längst zum nächsten Einsatz geradelt ist.
Genau darin liegt die Stärke des Projekts: Es bringt gutes Essen dorthin, wo der Alltag stattfindet, macht Kinder selbst zu Köchinnen und Köchen und baut gemeinsam mit den Menschen vor Ort Strukturen auf, die bleiben können.







